Warum Nachteilsausgleich so wichtig ist

Schülerinnen und Schüler mit einer Lese-Rechtschreibstörung und Rechenstörung sind im Schulalltag enorm benachteiligt. Um sich auf Klassenarbeiten und Tests vorzubereiten, verbringen sie in der Regel wesentlich mehr Zeit mit lernen und üben als ihre Mitschüler. In den erzielten Noten zeigt sich dieser Einsatz aber oft nicht. Um Chancengleichheit bei der Leistungserbringung herzustellen und um sekundäre Lernstörungen zu vermeiden, benötigen Schüler mit einer Legasthenie und Dyskalkulie den Nachteilsausgleich. Dieser ist keine Besserstellung oder Bevorzugung, sondern ein Ausgleich von Benachteiligungen, die nicht die Inhalte, sondern die Form der abzulegenden Prüfung betreffen. Der Nachteilsausgleich soll helfen, dass das Wissen ungehindert aufgenommen und verarbeitet werden kann. Gerne beraten wir unsere Mitglieder dazu.

Der LVL Berlin legt die in der ICD-10, dem internationalen Klassifikationsschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO), festgelegten Definition von Teilleistungsstörungen zugrunde.  Unter Bezug auf das Grundgesetz  können eine diagnostizierte Legasthenie und Dyskalkulie als Behinderung definiert werden. 

  • Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG „Behinderung im Sinne dieses Gesetzes ist die Auswirkung einer nicht nur vorübergehenden Funktionsbeeinträchtigung, die auf einem regelwidrigen körperlichen, geistigen oder seelischen Zustand beruht.“

Damit ergibt sich das unanfechtbare Recht auf Nachteilsausgleich. Dieser ist erforderlich um die gesellschaftliche Teilhabe  von Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie zu ermöglichen.

Nachteilsausgleich in Berlin

Die Klassenkonferenz legt die unterstützenden Maßnahmen (den Nachteilsausgleich) für einen Schüler bei schriftlichen Lernerfolgskontrollen für jedes Fach fest. Der Nachteilsausgleich ist immer individuell und berücksichtigt die Schwierigkeiten des jeweiligen Schülers. Die Maßnahmen werden bei Bedarf im Verlauf der Jahrgangsstufe angepasst, wenn die Lernentwicklung dies erfordert. Alle in einer Klasse unterrichtenden Lehrer nehmen an der Klassenkonferenz teil. Die Einladung erfolgt zu Beginn eines jeden Schuljahres durch den Klassenlehrer. Wird bei diagnostizierten Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten oder Rechenstörungen in der Grundschule als eine Form des Nachteilsausgleichs die Benotung ausgesetzt, entscheidet die Schulleiterin oder der Schulleiter, ob die Lese- und Rechtschreibleistungen in allen Fächern (möglich bis Ende der sechsten Klassenstufe) oder Rechenleistungen (nur in Klassenstufe 3 und 4) unberücksichtigt bleiben. Die individuellen Lernfortschritte im Lesen und Rechtschreiben werden in diesem Fall verbal festgehalten. Auf dem Zeugnis wird vermerkt, dass die Lese- und Rechtschreibleistungen bzw. die Rechenleistungen bei der Bewertung unberücksichtigt geblieben sind. Haben Fördermaßnahmen stattgefunden, werden diese auf dem Zeugnis ausgewiesen. Die Gewährung von Maßnahmen zum Nachteilsausgleich ist im Zeugnis nicht zu vermerken.

In den Verordnungen sind exemplarisch einige mögliche Nachteilsausgleiche aufgeführt. Die individuellen Möglichkeiten für den Ausgleich der Benachteiligung sind jedoch vielfältig. Informieren Sie sich dazu in den BVL Ratgebern. Ansprechpartner sind u. a. die LRS-Lehrkräfte an den Grund- und teilweise Oberschulen bzw. bei Rechenstörung die dafür geschulten Lehrkräfte, die Schulberater für Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten im Bezirk und bei Rechenstörung in den Schulämtern und die Schulpsychologischen und Inklusionspädagogischen Beratungs- und Unterstützungszentren (SIBUZ), die es in jedem Berliner Bezirk gibt.

Nachteilsausgleich in Brandenburg

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